Identifikationsfiguren (1): „Herr Leopold“ als Helfer im Kunstunterricht

In einem meiner letzten Beiträge habe ich unsere Identifikationsfigur, „Herr Leopold“, erwähnt, die fester Bestandteil meines Kunstunterrichts ist. Hänge ich die Bildkarte an die Tafel, rufen die Kinder meist schon begeistert „Ah, Herr Leopold ist wieder da. Wir machen heute Kunst“. Und ihre Augen leuchten.

Die Identifikationsfigur „Herr Leopold“. (Foto: Sina)

Warum werden Identifikationsfiguren im Unterricht eingesetzt?

„Identifikation“ bedeutet gleichsetzen, sich in etwas oder jemanden hineinversetzen. Gelingt das, sind in der Regel Gefühle mit im Spiel. Und damit sind wir auch schon bei der didaktischen Funktion von Identifikationsfiguren: Sie sollen die Schüler:innen auf emotionaler Ebene aktivieren, Interesse wecken und im besten Fall auch motivieren, sich mit einem Unterrichtsgegenstand auseinanderzusetzen. Des Weiteren sorgt eine Identifikationsfigur oft auch für eine besondere Art von Gemeinschaftsgefühl in einer Lerngruppe. So bezeichnet „Herr Leopold“ die Klasse als „seine Kunststudenten“, mit denen er gemeinsam ein Bild untersuchen oder eine neue Technik ausprobieren möchte.

„Herr Leopold“ schreibt Briefe

„Herr Leopold“ spricht die Kinder in meinem Unterricht über Briefe und kurze Hörspiele an. In seinem ersten Brief stellt er sich als Kunstkenner und -liebhaber sowie als begeisterter Künstler vor, der gerne mit dem Pinsel malt. Damit verschafft er schon die ersten Anknüpfungspunkte für die Schüler:innen. Denn gewöhnlich sind selbst unter Schulanfänger:innen kaum Kinder, die noch keine Malerfahrungen mit einem Pinsel gemacht haben und die meisten lieben es z.B. mit Wasserfarben zu malen.

Die weiteren Briefe sind so formuliert, dass sie eine Beobachtung aus der Lebenswelt der Kinder aufgreifen, aus der sich dann ein Arbeitsauftrag für die „Kunststudenten“ ergibt. Sehr begeistert sind die Kinder, wenn „Herr Leopold“ ihnen kleine Rätsel stellt, die sie lösen müssen, um den neuen Arbeitsauftrag zu erraten. Ebenso sind reale Gegenstände, die etwas mit der Aufgabe zu tun haben, für die Schüler:innen sehr spannend. Das kann ein Malwerkzeug sein oder aber auch ein Objekt, das später als Motiv dienen soll.

Post von „Herrn Leopold“: Was hat die Gabel mit der heutigen Kunststunde zu tun? (Foto: Sina)

„Herr Leopold“ kann in der gesamten Kunststunde immer wieder zum Einsatz kommen. Er formuliert beispielsweise Impulse für die Zwischenreflexion oder gibt Technik-Tipps. Am Ende fordert er die Kinder dazu auf, ihre eigenen Werke kritisch hinsichtlich der zuvor besprochenen Kriterien zu überprüfen.

„Herr Leopold“ als zweiter Lehrer im Klassenzimmer

Für mich als Lehrkraft bietet die Verwendung einer Identifikationsfigur auch die Möglichkeit meine eigene Lehrerpersönlichkeit ein bisschen in den Hintergrund zu rücken und stattdessen besondere Eigenschaften von „Herrn Leopold“ in den Fokus zu stellen. Beispielsweise liefern die Briefe und Hörspiele den Kindern ein anderes Sprachvorbild: So verwendet „Herr Leopold“ eine eher altertümliche Sprache, die die Kinder häufig zum Kichern bringt. Er legt jedoch auch sehr viel Wert auf Fachsprache. In seinen Texten tauchen immer wieder Fachbegriffe auf, die wir in der Klasse dann zuerst gemeinsam klären müssen. Somit erfüllt „Herr Leopold“ nicht nur eine Funktion auf emotional-motivationaler Ebene, sondern dient auch als weiterer Wissensvermittler im Fach Kunst.

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Im Kunstunterricht erstellen die Schülerinnen und Schüler regelmäßig eigene Werke. Diese können im Anschluss auf folgende Weise präsentiert werden:


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