Die Rolle des Moderators im Klassengespräch

Wir kennen es wahrscheinlich alle: In Reflexions- oder Diskussionsrunden in der Klasse erscheint es häufig so als würden die Kinder nach jeder Aussage den „Ball“ an die Lehrkraft „zurückspielen“, um sich zu vergewissern, dass ihre Aussage richtig war und sie nun auf die nächste Frage warten. Doch diese Art von Gesprächsführung kann und sollte nicht unser langfristiges Ziel sein. Viel mehr wünsche ich mir für meine Schülerinnen und Schüler, dass sie sich im Gespräch aufeinander beziehen, „sich gegenseitig den Ball zu spielen“ und dass sie wirklich miteinander kommunizieren.

Aus diesem Grund habe ich mich gefragt, wie ich es schaffen kann, dass die Kinder mehr MITEINANDER sprechen und nicht nur im wechselnden Dialog mit der Lehrkraft sind. Ich habe überlegt, wie ich mich nach und nach aus den Reflexions- und Diskussionsrunden zurückziehen kann und so kam mir die Idee eines Moderators.
In Gesprächsrunden wie beispielsweise in Reflexionsphasen zu einem neuen mathematischen Phänomen oder in Diskussionsrunden im Sachunterricht wähle ich ein Kind der Klasse aus, das die Rolle des Moderators für diese Unterrichtsphase übernimmt.

Das entsprechende Kind bekommt dann einen Rollenumhänger und Moderationskarten. Auf den Moderationskarten stehen verschiedene Impulsfragen, die der Moderator an die Klasse richten kann, wenn das Gespräch nicht von alleine im Fluss ist.

Moderationskarten und Rollenumhänger. (Foto: Linda)

Ein paar allgemeine Beispielfragen lauten:
• Wie sehen das die anderen Kinder?
• Gibt es noch etwas, was du dazu sagen möchtest?
• Kannst du das bitte genauer erklären?
• … denkst du genauso wie …?
• Wer möchte einen anderen Weg/eine andere Meinung vorstellen?
• Frage einzelne Kinder nach ihrer Meinung!

Erfahrungswerte

Diese recht allgemeinen Impulse habe ich in einer vierten Klassenstufe eingesetzt. Ich denke, der Moderator würde sich in vereinfachter Form bereits ab Klasse 2 einsetzen lassen. Dabei wäre dann nur darauf zu achten, dass die Impulse auf den Moderationskarten etwas spezifischer sind. Beispielsweise für den Deutschunterricht:
• Hat … unsere Kriterien beachtet?
• Was gefällt euch am Text von …?
• Habt ihr Schreibtipps für …?

Beispiele für den Matheunterricht können sein:
• Was denkt ihr zu dem Lösungsweg von …?
• Habt ihr ähnlich gerechnet wie …?
• Welchen Rechentrick hat … angewendet?

Meiner persönlichen Erfahrung nach, nehmen die Kinder diese Methode sehr gerne an und ich konnte beobachten, wie die Schülerinnen und Schüler mit der Zeit immer freier in ihrer Gesprächsführung wurden und wirklich miteinander ins Gespräch kamen. Ich konnte mich als Lehrkraft immer weiter zurücknehmen und nahm mehr und mehr die Rolle des Lernbegleiters und Beobachters ein.

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