Alltagsgeschäfte – Vermeidbare Hindernisse

Jeden Morgen dasselbe! Zettel müssen eingesammelt werden. Ob für den Elternabend, die Erklärung zum Datenschutz oder die Rückläufer zur Info für die Klassenfahrt. Ein Drittel der Klasse hat die Zettel am nächsten Tag dabei und steht schon am Lehrertisch, um sie abzugeben. Ein weiteres Drittel kommt im Laufe des Vormittages zu mir mit der freudigen Nachricht: „O, Mama hat den Zettel ja doch in meine Postmappe gepackt“, nachdem mir am Morgen sehr vehement versichert wurde, dass nichts dabei ist. Der Rest der Klasse duckt sich bei der Frage, ob noch jemand etwas abgeben möchte, wohl wissend, dass es nichts gibt, entweder aus Vergessenheit, den Zettel am Tag zuvor den Eltern gegeben zu haben oder weil diese nicht in die Postmappe geschaut haben.

Verschenkte Zeit

Ich habe einmal die Zeit gestoppt. Es sind täglich einige Minuten, manchmal bis zu zehn, die vergehen, bis wir mit dem Unterricht beginnen können, weil wir vorher irgendetwas einsammeln müssen. Dachte ich anfangs noch, dass die Eltern der Kinder doch täglich in die Postmappe sehen müssen und Abschnitte, unterschriebene Klassenarbeiten oder Geld für den Ausflug am nächsten Tag abgeben, habe ich diesen Anspruch aufgegeben und erziehe die Schülerinnen und Schüler zur Selbstständigkeit und Verantwortung. Manchmal lasse ich sie Formulare vorher vorbereiten. Ihren Namen und die Klasse können die Kinder schon eintragen. Die Eltern müssten dann nur noch unterschreiben. Leider klappt das auch nicht bei allen Kindern und das Nachfragen, plötzliche Auftauchen von Infozetteln, Arbeiten, Umschlägen mit Geld ist weiterhin unser täglicher Zeitfresser.

Auf Lösungssuche

Die Eltern oder die Kinder zu ändern, ist mühsam und wenig erfolgreich. Ich habe vor einigen Jahren erkannt, dass ich nur mich selbst ändern kann, aber nicht die anderen. So ist es auch in der Schule. Bis zu einem gewissen Grad kann ich die Schülerinnen und Schüler erziehen, auch die Eltern, aber ich stoße sehr schnell an meine Grenzen und es ist ein aufreibendes, kräftezehrendes Geschäft, darauf zu hoffen, dass Eltern und Kinder genauso denken und handeln, wie ich es mir wünsche. Und das auch nur bei der Abgabe von Zetteln.

Meine Methode, die das Alltagsgeschäft erträglich macht

Leider fällt es mir auch nach vielen Jahren Berufserfahrung noch schwer, zu akzeptieren, dass Eltern und Kinder sich nicht an die Abgabetermine halten. Um nicht täglich zu verzweifeln, gebe ich das Einsammeln von Zetteln manchmal an die Schülerinnen und Schüler weiter. Es ist eine beliebte Aufgabe, am Lehrerpult zu sitzen und Assistent zu sein, so ist die Bezeichnung, die die Kinder übernehmen, wenn sie mir Aufgaben abnehmen. Während also ein Kind einsammelt und abhakt, kann ich schon andere Aufgaben erledigen oder Kindern zuhören, die mir morgens etwas ganz Wichtiges erzählen wollen.

Und so ist die Zeit nicht mehr vertan sondern kann nützlich sein.

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