Das Reisetagebuch – eine Bereicherung für die Klassenfahrt

Wenn wir Lehrer/Lehrerinnen an Klassenfahrten denken, dann schwingen auch direkt die Gedanken an lange Abende, Heimweh und Unruhe in den Zimmern mit. Dass das aber auch anders geht, konnten meine Kollegin und ich auf einer Klassenfahrt erfahren. Jeden Abend sollten die Schülerinnen und Schüler ein sogenanntes „Reisetagebuch“ schreiben. Angekündigt war das bereits schon vorher und die Kinder wussten, dass sie Stifte, Schere und Kleber mitnehmen mussten. Natürlich waren die Kids nicht wirklich amüsiert darüber, dass sie jeden Abend etwas schreiben musste. Verständlich, es erinnerte sie alles zu sehr an Schule.

Tagsüber toben, spielen und Spaß haben – Abends zur Ruhe kommen

Bereits am ersten Tag, direkt nach dem Beziehen der Zimmer, begannen die Kinder ihrer Lieblingstätigkeit nachzugehen: toben, spielen, kreischen, rennen und einfach nur Spaß haben. Dafür ist ja auch eine Klassenfahrt da. Nach dem Abendessen versammelten wir uns im Gemeinschaftsraum und ließen den Tag Revue passieren. Aber auf eine ganz besondere Art und Weise: Die Klassenlehrerin hatte jedem Kind ein kleines DIN A5 Heftchen gekauft und das Deckblatt bereits drauf geklebt.

Selbst gemaltes Deckblatt für das Reisetagebuch der Klassenfahrt nach Berlin.

Das Deckblatt unserer Reisetagebücher (Foto: Sophie)

Die Stadt, in der wir waren, war mit einem X markiert und beschrieben. Für die Kinder war das Deckblatt bereits sehr einladend und sie fingen gleich an, es anzumalen und zu gestalten. Jedoch war das noch nicht alles. Es wurden für jeden Tag vorgefertigte Blätter bereitgestellt, auf denen die Kinder das Datum eintragen und das Wetter, das Essen ankreuzen konnten. Dann war da noch genügend Platz über schöne Erlebnisse zu berichten. Dieser Leitfaden konnte genutzt werden, jedoch entschieden sich auch einige Kinder für eine ganz freie Gestaltung des Buches. Auch das war zulässig.

Die Klassenlehrerin hatte auch ein paar lustige Ideen für die Kinder, die nicht wussten, worüber sie schreiben konnten. So gab sie denen ein „Geruchsprotokoll“, in dem es einzig über die Gerüche (auf den Zimmern, draußen, in der Stadt …) ging. Es gab auch ein Vordruck zu „das beste / ekeligste Essen“.

Ritual auf der Klassenfahrt

Diese ca. 30 Minuten am Abend wurden für uns alle – sowohl Lehrerinnen als auch Kinder – die wichtigsten. Denn auch die Kinder genossen sichtlich die Ruhe und arbeiteten sehr konzentriert und vergnügt – sehr zu unserer großen Überraschung. Dass die Kinder die Ruhe am Abend so natürlich annahmen, sich nicht dagegen wehrten, zeigte uns: Es machte ihnen wohl einfach Spaß!

Kinder schreiben in ein kleines Heft, das als Reisetagebuch geführt wird.

Das Schreiben der Reisetagebücher machte den Kindern viel Spaß (Foto: Sophie)

Das Reisetagebuch – eine kleine Schatzkiste

Während der Tage achteten die Kinder auch aufmerksam auf Dinge, die sie in ihr Reisetagebuch kleben konnten. Seien es ein Flyer aus der Stadt oder von der Herberge, heruntergefallene Blätter oder kleine Andenken. Überall hatten die Schülerinnen und Schüler ihre Augen weit auf und fanden immer wieder Kleinigkeiten, die sie in ihre kleine „Schatzkiste“ kleben wollten. Die Arbeit am Tagebuch entwickelte sich zu einem schönen Ritual, das den Kindern gut tat.

Ein Blick in die Bücher der Kinder verriet uns, wie sehr die Kinder es genossen. Bei manchen Kindern, die im Fach Deutsch gar nicht so unbedingt die Vorreiter waren, entstanden wunderschöne Texte, die uns bewegten. Wir lernten die Kinder also auch von einer „neuen“ Seite kennen.

Das Reisetagebuch ist für mich zu einem „Must“ auf Klassenfahrten geworden 🙂

2 Gedanken zu „Das Reisetagebuch – eine Bereicherung für die Klassenfahrt

  1. Gudrun

    Hallo, mich würde interessieren ob es noch weitere Seiten in dem Reisetagebuch gab. Ich erstelle aktuell für meine Klasse auch ein Reisetagebuch und sammel fleißig Seiten zum ausfüllen, die ich an meine Klasse anpasse. Bei uns geht es direkt nach den Herbstferien zu einem Ponyhof. Aber mir gehen etwas die Ideen aus. Würde mich sehr freuen wenn Sie mir da noch weitere Infos zu geben könnten.

    Liebe Grüße und danke für die tolle Idee!

    Antworten
  2. Sophie

    Hallo Gudrun,
    gerne erzähle ich von meinen vorgefertigten Seiten im Reisetagebuch:
    – „Mein Zimmer“: Zimmergenossen aufzählen und einen Zimmernamen aussuchen
    – Essensseite: „Das hat geschmeckt, das war am leckersten, das mochte ich gar nicht…“
    – Just for Fun: lustige Sprüche oder Geschichten aus den Zimmern
    – Die coolste Aktivität / Das fand ich am besten …
    – leere Seiten zur eigenen Gestaltung und zum reinkleben von Fotos etc

    Ich hoffe das hilft dir erstmal weiter 🙂 Liebe Grüße, Sophie

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.