Mit Flüchtlingen in Regelklassen arbeiten (3): Integration über die Alltagssprache

Hast du schon einmal beobachtet, wie sich Kinder unterschiedlicher Sprachen beim Spielen verständigen? Sprachbarrieren umgehen sie ganz spielerisch und verstehen sich ohne Worte. Doch solche Wörter, die sich häufig auch in unterschiedlichen Situationen wiederholen, lernen sie recht schnell: Alltagsfloskeln, Abzählverse oder Reime, die das Eintauchen in eine fremde Sprache spielerisch ermöglichen, sind daher für die Kommunikation nahezu unschlagbar.

Integration funktioniert über Alltagssprache

Derzeit erlebe ich das sogar vor der eigenen Haustür. Ein polnischer kleiner Junge sitzt recht häufig bei uns im Garten und spielt mit den Kindern. Es dauerte nicht lange, bis er die Namen aller Kinder kannte und sich die Kinder gegenseitig Begrüßungs- und Verabschiedungsfloskeln beibrachten. Einzelne Wörter wie „hallo“, „danke“, „bitte“, „tschüß“ wurden so schnell verinnerlicht, auch wenn andere sprachliche Äußerungen im Sandkasten wie böhmische Dörfer erscheinen mögen. Keine künstliche Sprachlernsituation, sondern Lernen durch eine echte dialogische Situation, hat bei den Kleinen schon erste Sprachkenntnisse erweitert.

Alltagsfloskeln auch im Unterricht

In der Schule wird davon jedoch wenig Gebrauch gemacht. Warum eigentlich? In den verschiedenen DaZ-Materialien und Lehrbüchern sind die Alltagsfloskeln zu finden – meistens sogar gleich zu Beginn der Lehrwerke … „Hallo“, „Ich heiße“, „Wie heißt du?“.

Doch wenn Lehrer dies mit den DaZ-Kindern, insbesondere Flüchtlingskindern ohne bisherige Sprachkontakte mit deutschen Kindern, erarbeiten, bleibt das so Erworbene doch fast inhaltsleer. Will sagen: Ohne echte Kommunikation mit Gleichaltrigen bleiben solche Floskeln eben nur Floskeln, die wie Vokabeln gelernt werden. Wir wollen doch aber, dass das Kind in die Sprache eintaucht, dass es die Sprachmelodie erlebt und sich Stück für Stück in deutscher Sprache versucht!

Machen wir es den Kindern einfacher, indem zur Förderung der Integration feste Alltagsfloskeln auch im Regelunterricht verwendet werden. In den unteren Klassen gibt es dafür beispielsweise an jedem Morgen ein Lied: z.B. „Guten Morgen, guten Morgen, …, die Schule fängt an!“

Alltagsfloskeln in Sprachfördergruppen

Für die Sprachfördergruppen überlegten wir uns eine andere Möglichkeit, um insbesondere Alltagsfloskeln mit sozialem Kontakt zu verbinden. Nachdem in der Kleingruppe die Methode „Interview“ geübt wurde, bekamen die DaZ-Kinder den Auftrag, auf dem Pausenhof die eingeführten Alltagsfloskeln zum Interview zu üben. So sollten sie von 10 verschiedenen Kindern (ausgenommen von Klassenkameraden) den Vornamen herausfinden und immer wieder „Ich heiße …“ – „Wie heißt du?“ üben. Bei den meisten Kindern klappte es recht gut, so dass sie nach der Pause mit ihren Notizen ein paar Namen berichten konnten.

Nachdem die Methode mehrmals geübt wurde, tauschten wir die Floskeln aus. Nach einiger Zeit kamen so die Fragen „Woher kommst du?“, „Ich wohne in …“, „Wie spät ist es?“, „Wie geht es dir?“, „Was magst du gern?“ und „Was ist dein Hobby?“ hinzu.

Ausblick

Als Ayla damals in die Klasse kam, war mir die Bedeutung von Alltagsfloskeln noch nicht so bewusst. Aber auch ich lerne ja immer dazu. Nun freue ich mich, diesen veränderten Blick auf die Förderung und Integration von Flüchtlingskindern für die weitere Arbeit mit Ayla zu berücksichtigen.
Wie ich das mache und welche weiteren Aspekte für die gesteuerte Förderung wichtig sind, wird im nächsten Beitrag zu lesen sein.

Eine ganze Ausgabe der Zeitschrift Deutsch Differenziert beschäftigt sich mit dem Thema Sprachförderung von Flüchtlingskindern:


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