Vorbereitungsdienst in Teilzeit – Als Mutter im Referendariat

Ich habe erst spät mit dem Lehramtsstudium begonnen und hatte zuvor jahrelang einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen. Doch dann machte ich eine Kehrtwende. Mit meiner damals 2,5 jährigen Tochter begann ich ein Studium, eine zweite Tochter kam während der Bachelor-Abschlussphase hinzu. Studium und Familie konnte ich noch gut miteinander verbinden, doch vor dem Vorbereitungsdienst graute es mir.

Ich erfuhr damals von einem Teilzeitmodell und entschied mich recht schnell für das in Niedersachsen angebotene Modell B. Von Seiten der Schule und dem Studienseminar bekam ich gute Unterstützung, so dass ich das Wagnis einging und es bis heute nicht bereut habe.

Vor- und Nachteile der geringeren Unterrichtsverpflichtung

Im Gegensatz zu meinen Mit-Anwärterinnen und -Anwärtern unterrichtete ich nicht dieselbe Stundenanzahl. Statt zwölf Unterrichtsstunden betreuten und eigenverantwortlichen Unterrichts, war ich lediglich für sechs Stunden anwesend. Für mich war das sehr entlastend, denn dadurch musste ich nur halb so viel Unterricht planen und konnte auch meinen familiären Aufgaben gerecht werden.

Doch gleichzeitig war damit auch ein Wermutstropfen verbunden. Denn wer nicht regelmäßig in der Schule war, bekam auch von internen Absprachen weniger mit. Für mich war es fast so, als wäre ich in der Schule so etwas wie eine Besucherin gewesen. An festen Tagen war ich da, kam auch zu Dienstbesprechungen und Fachgruppentreffen usw., war für die Schülerinnen und Schüler aber weniger präsent. Das war schon irgendwie schade.

Im Hauptfach war das nicht tragisch, denn da hatte ich sechs Stunden in einer einzigen Klasse. Dadurch bekam ich viel mit. Im Nebenfach war das dann doch etwas schwieriger. Da war ich teilweise nur mit einer einzigen Stunde in einer Klasse.

Das hatte zur Folge, dass ich zwar viele Kinder persönlich kannte, aber es hinterließ auch das Gefühl, nur einen Tropfen auf dem heißen Stein zu sein. In der Praxis ließ sich da nicht viel an Methoden ausprobieren. Da nahm ich halt, was in der Klasse generell gut lief , konnte aber weniger eigene Ideen einbringen.

Organisation der Unterrichtsverpflichtung in Teilzeit

Letztendlich hatte ich die gleichen Ausbildungspflichten wie alle, nur das ich dafür die doppelte Zeit hatte. Mein Stundenkontingent auf 36 Monate zu koordinieren, war nicht ganz einfach:

In den ersten 30 Ausbildungsmonaten unterrichtete ich abwechselnd nur ein Fach. Mit welchem ich begann, konnte ich mir aussuchen. Da jedes Fach auf den Tag genau 15 Monate eingeplant wurde, waren die Fachwechsel von Fach 1 zu Fach 2 mitten im Schuljahr – und das musste sorgfältig geplant werden. Eine wahre Meisterleistung für die Stundenplanung, Aber auch dieses Problem wurde mit viel Grips und rauchenden Köpfen gelöst.

Die Regelungen zur Ausbildung in Fach 1 (15 Monate), in Fach 2 (15 Monate) sowie die Kombination beider Fächer im letzten Ausbildungsabschnitt (Fach 1 + Fach 2 zu je drei Std. für sechs Monate) wurden durch das Studienseminar koordiniert. Hier lag also der Löwenanteil der Planung für die besondere Ausbildungssituation. Auch die individuelle Einteilung der verpflichtenden Begleitaufgaben (schriftliche Arbeit, Projekt, Benotung, GüdA) durfte hierbei nicht vergessen werden. Als alle Eckdaten klar waren, bekam ich einen individuellen Ausbildungsplan, der allen an der Ausbildung Beteiligten ausgehändigt wurde.

Regelungen für Seminarbesuche

Mit diesem Plan war eine wichtige Grundlage der Ausbildung geschaffen. Aber nicht alles ging daraus hervor. Die Seminarbesuche mussten auch noch eingeteilt werden.

Ich besuchte nur das Fachseminar des jeweils unterrichteten Faches – und das regelmäßig. Wie jede andere auch. In den jeweils 15 Ausbildungsmonaten im Fach bestand in der Fachseminararbeit eine Kontinuität.

Zusätzlich besuchte ich das Pädagogik-Seminar. Aber auch hier galt das Teilzeitmodell, so dass ich dafür ein Gesamtkontingent für die 36 Ausbildungsmonate hatte, das ich nach eigenem Ermessen und Interesse aufteilte. Klingt komplizierter als es war! Denn innerhalb der ganzen Zeit sollte ich mindestens 30 Sitzungen besucht haben, damit ich faktisch den gleichen Ausbildungsinput wie alle anderen Anwärterinnen und Anwärter hatte.

In manchen Studienseminaren gilt die Regel, jede zweite Sitzung zu besuchen. Doch das ist nicht immer sinnvoll. Manche Themen hängen so zusammen, dass ein Block auch als Block besucht werden sollte. Wie das letztendlich zu handhaben ist, musst du mit deinem Studienseminar und der entsprechenden Seminarleitung besprechen. Vergiss dabei jedoch nicht, dass du eine Statistik über deine Besuche und die entsprechenden Themeninhalte führen solltest. In 36 Monaten kommen viele Themen in Pädagogik mehrfach dran und deine Ausbildung soll ja umfassend sein!

Was ist noch anders?

Durch den individuellen Ausbildungsplan hatte ich auch andere Termine für die Einreichung der Zusatzleistungen (schriftliche Arbeit, Projekt). Denn diese richteten sich nach einer bestimmten Anzahl von Ausbildungsmonaten in beiden Fächern. Während die Anwärter, die mit mir begonnen hatten, sich also in ihrem zweiten Ausbildungshalbjahr den Kopf wegen der schriftlichen Arbeit zerbrachen, konnte ich noch ganz entspannt sein. Auch der andere Stress wegen der zu planenden Unterrichtsbesuche und besonderen Besuche war bei mir zeitversetzt. Was das anbelangte, hatte ich also deutliche Vorteile.

Doch diese Regelung hatte ich aus einem guten Grund: Denn wenn meine Mitstreiter nach einem anstrengenden Schultag in Ruhe Unterricht reflektierten, neuen Unterricht planten oder Unterrichtsmaterial bastelten, warteten auf mich meine Kinder. Ich wechselte meine Rolle. War weder Lehrperson, noch Auszubildende, sondern von jetzt auf gleich Mama, die sämtliche Belange der Kinder jetzt und auf der Stelle koordinieren musste. In Gedanken noch beim Unterricht, fiel mir der Wechsel der Rolle nicht immer leicht. Ich war teilweise gereizt und fühlte mich hin und wieder ausgelaugt und auch ein wenig außen vor.

Denn durch die „Stippvisiten“ im Seminar war ich kein richtiger Teil des großen Ganzen. Ich konnte mich nicht so mit meinen Mitstreitern identifizieren wie alle anderen, denn ich hatte ganz andere Verpflichtungen zu anderen Zeitpunkten. Während die ersten Mitstreiter nach 18 Monaten ihre Prüfung absolvierten, saß ich weitere 18 Monate im Seminar. Auf gleicher Ausbildungshöhe war man damit nicht. Denn immerhin unterrichteten andere gleich doppelt so viel und sammelten damit doppelt so viele Erfahrungen wie ich in kürzerer Zeit. Denn um bei diesem Lernzuwachs mithalten zu können, musste ich nach dem Ablegen der Mutterrolle am Abend wieder die Rolle der Schülerin einnehmen und weiter für die Ausbildung lernen. Doch das schaffte ich nicht mehr. Dafür hatte ich damals schon durch meine eigenen Kinder einen größeren Erfahrungsschatz im Umgang mit Kindern.

Mein Fazit

Ich selbst bin mit mir im Reinen, sehe die Vorteile der Teilzeitausbildung und nehme kleine Nachteile in Kauf. Hut ab vor denen, die die Anwärterzeit mit kleinen Kindern in Vollzeit absolvieren. Für mich selbst war dies zu keinem Zeitpunkt eine Option, denn das hätte ich auch rückblickend niemals geschafft!

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