Homeschooling: Überforderte Schüler und gestresste Eltern

Noch vor kurzem, als ich meinen letzten Blogbeitrag über den „Coronavirus“ geschrieben habe, hätte ich nicht gedacht, dass sich die Situation so schnell, so dramatisch verändert…

Anders, wie sonst, möchte ich meinen heutigen Beitrag mit einem Einblick in unser derzeitiges Familienleben starten. Später möchte ich euch dann ein paar Tipps und Hinweise zur Erstellung der Arbeitspläne geben.

Plötzlich war alles anders…

Am Montag, den 16. März war in unserem Bundesland der letzte Schultag. Meine Frau, die übrigens auch Lehrerin ist, und ich konnten dann noch die Arbeitspläne (einschließlich Arbeitsblätter) an unsere Schülerinnen und Schüler austeilen. Ab Dienstag ruhte dann der Schulbetrieb ganz. Trotzdem musste meine Frau am Dienstag und Mittwoch in die Schule gehen, weil sich ihre Schulleiterin in häuslicher Quarantäne befand. Ihr Mann war vor kurzem noch zum Skifahren in Tirol.
Währenddessen kümmerte ich mich Zuhause um unsere beiden Jungs, die derzeit die 5. und 8. Klasse eines Gymnasiums besuchen. Allerdings war die Bearbeitung der Aufgaben nicht ganz so einfach. Eigentlich hätten die Aufgaben auf der „Moodle-Internetplattform“ stehen sollen. Allerdings war die Seite in den ersten Tagen so überlastet, dass wir gar nicht auf die Seite gekommen sind. Die Lehrer haben versucht, dies durch das Schreiben von Mails und die Einrichtung eines „Dropbox- Kontos“ zu kompensieren. In der Zeitung habe ich gelesen, dass es einigen Eltern morgens um 4:37 Uhr gelungen ist auf die Moodle-Seite zu kommen. Über die WhatsApp-Elterngruppe wurden die Aufgaben dann weiter verbreitet.

Das Esszimmer wurde zum Klassenzimmer

Die Deutschlehrerin meines jüngeren Sohnes hat die Aufgaben am letzten Schultag an die Tafel geschrieben. Eine ziemlich einfache und gleichzeitig bequeme Möglichkeit bzw. Lösung. Die Kinder sollen im Deutschbuch die Seiten von 217 bis 227 durcharbeiten. Was auf den ersten Blick relativ wenig und harmlos aussieht, täuscht. Auf diesen Seiten verbergen sich nicht nur unzählige Grammatik-Themen, sondern auch eine Vielzahl an Aufgaben (mit sehr vielen Teilaufgaben). Wie sinnvoll dies bzw. die einzelnen (Teil-) Aufgaben sind, lasse ich einmal dahingestellt. So „kämpfen“ wir uns an diesem „Home-Schooling-Tag“ Aufgabe für Aufgabe durch den „Plan“. Dazu wurde unser Esszimmer in ein Klassenzimmer umfunktioniert.
Parallel dazu helfe ich meinem älteren Sohn bei den Mathe-Aufgaben. Er beschäftigt sich mit dem Thema Kongruenz. Zum Glück habe ich das Fach Mathematik studiert, sonst wüsste ich wahrscheinlich nicht, wie man mit Hilfe zweier Winkel und einer Abstandsangabe zu einem Fluss die Geschwindigkeit eines vorbeifahrendes Schiffes berechnen könnte. Nach ungefähr einer dreiviertel Stunde und fünf Aufgaben (inklusive aller Teilaufgaben!), hat mein kleinerer Sohn keine Lust mehr auf Deutsch. Wir wechseln zum Fach Religion. Im Internet soll er sich ein Gleichnis ansehen und danach Fragen dazu beantworten. Die Fragen bzw. Aufgaben stehen auf sechs Seiten! Zwischendurch meldet sich noch die Elternvertreterin wegen dem Wochenplan.

Sicherlich für alle (Kinder, Eltern, Lehrkräfte) keine einfache Situation!

Homeschooling: Viele Kinder und Eltern fühlen sich mit dem Berg an Lernstoff überfordert. (Foto: Ralph)

Am Freitag musste ich in der Schule zwei Kinder betreuen, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Glücklicherweise musste meine Frau an diesem Tag nicht zur Schule. Auf dem Arbeitsplan meines jüngeres Sohnes stand an diesem Tag Englisch. Ähnlich wie im Fach Deutsch, sollen die Kinder auch hier eine ganze Unit bearbeiten. Im Hinblick auf den Umfang, die unbekannten Vokabeln und die neue Grammatik ebenfalls nicht ganz einfach…. Aber was ist schon einfach in diesen Tagen….?

Soweit der kleine Einblick.

Was ist wichtig bei der Erstellung der Arbeitspläne?

Den Schwerpunkt der Aufgaben sollten Übungs- und Wiederholungsaufgaben bilden. Aufgrund der Fülle des Bildungsplans bzw. andersweitiger Aufgaben und Termine fehlt es im Schulalltag dafür häufig an Zeit. Jetzt besteht die Möglichkeit, ältere Themen aufzugreifen und diese zu vertiefen bzw. zu wiederholen. Neue bzw. gänzlich unbekannte Themen sind meines Erachtens nur begrenzt für den Einsatz in den Arbeitsplänen geeignet. Nicht alle Kinder können daheim nachfragen oder sich die Aufgaben erklären lassen. Beispielsweise, weil die Eltern beruflich sehr stark gefordert sind oder weil die Eltern Probleme mit der deutschen Sprache haben.

Falls ihr dennoch ganz neue Themen in die Arbeitspläne aufnehmen wollt, fände ich es gut, wenn ihr den Kindern bzw. Eltern nicht nur die Aufgaben, sondern auch Merksätze, Erklärungen, Beispiele…. an die Hand geben würdet.

Und was ebenfalls noch ganz wichtig ist: Bitte lasst die Kinder nicht nur irgendwelche Aufgaben erledigen. Die Kinder sollen nicht das Gefühl haben, dass sie nur ganz stumpfsinnig irgendwelche Aufgaben bearbeiten sollen.

Der Umfang der Pläne

Natürlich kommt es darauf an, welchen Zeitraum die Arbeitspläne abdecken sollen. Ich gebe meinen Schülerinnen und Schülern Wochenpläne. Die Pläne stelle ich immer am Wochenende auf unsere Schulhomepage. Sowohl für mich, wie auch für meine Schülerinnen und Schüler ist dadurch die Aufgabenmenge überschaubar. Längere bzw. umfangreichere Pläne sind meines Erachtens nicht so gut geeignet. Dies liegt nicht nur daran, dass sich die Kinder die Aufgaben zeitlich nur sehr schlecht einteilen können, sondern auch daran, dass die Vielzahl der Aufgaben für die Kinder sehr abschreckend ist und demotivierend wirkt. Dazu passt auch die Aussage meines Sohnes: „Ich muss arbeiten und meine Lehrerin hat fünf Wochen frei!“

Organisation der Pläne

Sicherlich ist es sinnvoll, wenn alle Lehrerinnen und Lehrer an einer Schule, was die Organisation der Arbeitspläne angeht, gleich vorgehen. Natürlich ist dies kein Muss, aber dies macht nach außen hin einen besseren Eindruck. Also beispielsweise die Fragen, wann die neuen Pläne kommen, für welchen Zeitraum die Pläne gelten und welche Aufgabe und Funktion die Eltern haben.

Auf den letzten Punkt möchte ich noch kurz eingehen. Natürlich sind die Eltern, sofern ihnen dies überhaupt möglich ist, in Zeiten der Schulschließungen stärker gefordert, als beim „normalen Schulbetrieb“. Dennoch kann man von ihnen nicht verlangen, dass sie „alles“ machen. Besonders wichtig ist, dass die Eltern ihren Kindern, sofern sie dies überhaupt können, im Bedarfsfall helfen. Außerdem sollten sie kontrollieren, ob alle Aufgaben erledigt worden sind. Allerdings kann man von den Eltern nicht verlangen, dass sie alle Aufgaben auf die Richtigkeit kontrollieren. Hier stellt sich die Frage, wann bzw. wer kontrolliert die Aufgaben? Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Beispielsweise können die Eltern die Aufgaben den Lehrern zumailen oder die Lösungen werden ein paar Tage später ins Internet gestellt. Es gibt natürlich noch andere Möglichkeiten, allerdings sind alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nicht ideal, aber als Notlösung für eine begrenzte Zeit mehr oder weniger praktikabel.

Ich hoffe, dass ich euch den einen oder anderen Tipp an die Hand geben konnte . Selbstverständlich könnt ihr euren Schülerinnen und Schülern, auchwas den Umfang und die Anforderungen angeht, differenzierte Pläne geben.

In diesem Sinne wünsche ich euch für die Arbeitspläne gutes Gelingen und ganz viel Gesundheit. Verbunden mit der Hoffnung, dass die Schulschließungen nicht ewig andauern und der Schrecken baldmöglichst ein Ende findet!

Zum Thema "Hausaufgaben" habe ich zwei tolle Themenhefte für euch erschnüffelt:


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