Mein Start als Klassenlehrerin (4):
Die Komplimentenbox

Als Klassenlehrerin wünscht sich jeder zunächst, dass die Schülerinnen und Schüler der Klasse gut miteinander auskommen, niemand ausgegrenzt oder ausgelacht wird und in der Pause jeder jemanden zum Spielen hat. Die Realität sieht meist anders aus. Kleine Streitigkeiten werden schnell hochgeschaukelt und ein kleines Missverständnis führt zu großen Streitigkeiten.

In meiner neuen Klasse bemerkte ich ebenfalls, wie es Spannungen gab. Ich wusste nicht woher sie kommen, beobachtete aber auch, wie ausgelassen und fröhlich die Kinder meiner vierten Klasse auf dem Schulhof miteinander spielten oder wie hilfsbereit sie einander waren. Diese Attribute wollte ich in den Vordergrund stellen und die kleinen Spannungen sollten in den Hintergrund rücken. Da kam mir eine schöne Idee.

Die Komplimentenbox

Zu Hause fand ich eine schöne Box mit einer großen Schleife, die sehr einladend aussah. Dies sollte unsere Komplimentenbox werden. Auf einem kleinen, vorgefertigten Zettel lud ich die Kinder am nächsten Tag ein, sich gegenseitig, der ganzen Klasse oder ihren Lehrerinnen und Lehrern Komplimente zu schreiben.

Eine Komplimentenbox ist eine schöne Methode, das Klassenklima zu verbessern. (Foto: Sophie)

Dabei konnten sie es „anonym“ in die Box legen oder aber ihren Namen als Absender drauf schreiben. Sie durften in einer Woche so viele Komplimente an andere schreiben wie sie mochten. Einzige Regel: Sie dürfen dabei nicht ein und demselben Kind mehrere Komplimente schreiben, sondern pro Kind ein Kompliment.

Jeden Freitag in der Klassenratsstunde würde die Box dann ausgeleert werden und entweder las ich die Komplimente vor (wenn noch so viel Zeit war) oder ich legte sie in die Fächer der Kinder zum Mitnehmen. Mein Gedanke dahinter war, dass die positive Bestärkung untereinander für ein freundliches Klassenklima förderlich sei.

 

 Meine Erfahrung

Ich war am Anfang skeptisch, ob diese Idee bei den Schülerinnen und Schülern wirklich fruchten würde. Würden sie sich überhaupt viele Komplimente schreiben oder es doch nur bei den üblichen Freundschaften belassen? Ich ging fast davon aus, dass die Kinder sich nur in den üblichen Freundschaften Komplimente hin und her schicken würden und war am ersten Freitag total überrascht. Erstens, waren ziemlich viele Komplimente geschrieben worden und zweitens, wurden an fast alle Kinder Komplimente geschrieben.
Die Klasse wollte beim ersten Mal unbedingt, dass ich die Komplimente laut vorlese und so startete ich den Versuch. Wir saßen alle im Kreis und ich las die Zettel vor und überreichte sie dem jeweiligen Kind. Die Reaktionen waren großartig. Wir hatten viel zu lachen und viele Komplimente wurden mit einem „Ja, das stimmt total!“ oder „Das finde ich auch!“ bekräftigt. Wie gesagt, am Ende blieben in der ersten Woche vier Kinder über und dann wollten die anderen diesen noch mündliche Komplimente geben. Auch das war schön mit anzusehen.

In der zweiten Woche überraschten mich die Kinder umso mehr. Die Box war proppenvoll und die Zettel mussten nachkopiert werden. Diesmal legte ich die Komplimente am Ende der Woche in die Schubladen, das Vorlesen hätte mich sonst bestimmt zwei Schulstunden gekostet. Alle Kinder der Klasse bekamen mehrere Komplimente. Ich war richtig stolz und kann nach diesen zwei Testwochen auch bereits mit Freude feststellen, dass sich keine neuen Konflikte mehr ereignet haben.

 

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