Der Klassenrat – ein Mittel zur Demokratieerziehung

Die vor Kurzem stattgefundenen Wahlen waren in meinem Kollegium einen Anlass, um die Demokratieerziehung in unserer Schule wieder etwas mehr in den Fokus zu rücken. Unser Ziel ist es dabei, die Kinder das gesamte Schuljahr in einen demokratischen Prozess mit einzubeziehen.

Eigenverantwortung stärken von Anfang an

Eine schöne Möglichkeit, um die Eigenverantwortung und das demokratische Handeln der Kinder schon im Anfangsunterricht zu stärken, ist der Klassenrat. In meinen Ganztagsklassen führe ich diesen regelmäßig bereits im ersten Schuljahr ein. Natürlich muss das Verfahren für die jüngeren Kinder heruntergebrochen werden. Deshalb arbeite ich mit eingängigen Symbolen, anhand derer wir die Woche immer freitags ca. eine halbe Stunde reflektieren.

Symbole für den Klassenrat. (Foto: Sina)

Hinführung zum Klassenrat

Die verschiedenen Bereiche des Klassenrats führe ich Schritt für Schritt nach einigen Wochen in der ersten Klasse ein. Wir beginnen mit der „Warmen Dusche“ – eine kommunikative Übung, die man z.B. auch an Geburtstagen einsetzen kann.

Satzmuster für die warme Dusche. (Foto: Sina)

Doch auch Konflikte gehören zum Schulalltag dazu und gerade jüngere Kinder müssen dabei häufig erst für einen konstruktiven Umgang mit Streitigkeiten sensibilisiert werden. Deshalb binde ich an dieser Stelle gerne die Jugendsozialarbeiterin mit in den Unterricht ein, die mit uns in der Klasse verschiedene Übungen zur Stärkung des Sozialverhaltens durchführt (z.B. Rollenspiele zur Empathieförderung).

Ablauf des Klassenrats

Ungefähr zum Halbjahr starten wir dann mit unserem ersten „echten“ Klassenrat. Jede Woche dürfen andere Schüler die Rollen der Regelwächter und des Moderators übernehmen. Mithilfe kleiner Moderationskarten führt uns letzterer durch den Klassenrat und die Regelwächter verteilen eigenständig Stoppschilder bei Verstößen gegen die gemeinsam vereinbarten Gesprächsregeln.
Wir beginnen den Klassenrat im Sitzkreis mit einer stillen Minute, in der die Kinder zur Ruhe kommen und sich gedanklich einstimmen können. Zuerst legen wir den Fokus auf die Dinge, die uns in der vergangenen Woche besonders gutgetan haben (Lob- und Dankesrunde). Anschließend besprechen die Kinder Streitigkeiten nach einem festen Schema und treffen eine Vereinbarung, um diese Art von Konflikten zukünftig zu vermeiden.

Wir beenden den Klassenrat mit Wünschen für die Klasse und die gemeinsame Festlegung eines Ziels. An diesem wollen wir in der kommenden Woche besonders arbeiten und auch täglich darüber reflektieren. Gerade weil die Kinder dabei ein Mitspracherecht haben, liegt ihnen die Erreichung des Ziels sehr am Herzen.

Positive Effekte des Klassenrats

Als festes, wöchentlich stattfindendes Ritual wird der Klassenrat im Laufe der Zeit ein Selbstläufer, den auch jüngere Schülerinnen und Schüler mit ein wenig Unterstützung selbst leiten können. Es ist immer wieder schön dabei zu beobachten, wie sich ihre kommunikativen Fähigkeiten stetig weiterentwickeln und sie immer sicherer darin werden, Konflikte eigenständig und konstruktiv zu lösen. Dabei machen sie die Erfahrung, Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen und sich aktiv in die Entscheidungen in der Klasse mit einzubringen – sozusagen gelebte Demokratie im kindgerechten Rahmen.

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Demokratie muss von Anfang an erlernt und erfahrbar gemacht werden. Deshalb beginnt die politische Bildung bereits in der Grundschule:


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