Mein erster Elternsprechtag

Ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Berufes sind die Elternarbeit und das Elterngespräch. Als ich vor meinem ersten Elternsprechtag stand, wusste ich nicht, wie ich solch ein Gespräch angehen soll. Daher schnupperte ich bei meinen Kolleginnen (kann ich für Neuanfänger nur empfehlen!!) und sah zu, wie sie die Gespräche führten. Daraus schloss ich folgende Entschlüsse.

Positiv starten und enden

Am Anfang etwas positives über das Kind berichten, bestärkt die Eltern und stellt eine positive Atmosphäre her. Egal um was es bei dem Gespräch geht, möchten beide Seiten nur das Beste für das Kind! Daher darf am Anfang erst einmal auf die erfreulichen Eigenschaften geschaut werden. Hier kann ganz unterschiedliches vorkommen: Über welche Kompetenzen (im sozialen oder schulischen Bereich) verfügt das Kind bereits? Ist es freundlich und hilfsbereit zu anderen? Beachtet es die Regeln? Hat das Kind viele Freunde und fühlt sich in der Schule wohl? Ein paar schöne Rückmeldungen am Anfang zeigen den Eltern, dass wir ihr Kind wertschätzen und gut kennen. Auch zum Schluss sollte es positiv ausgehen, in dem man Ziele und Vereinbarungen trifft und Fragen nicht offen stehen lässt.

Und wie ihr das im Vorfeld vorbereiten könnt, um während des Gespräches nicht durcheinander zu kommen, zeige ich euch jetzt anhand einer simplen Methode.

Ich packe verschiedene Koffer für den Elternsprechtag …

Auf dem Bild sind drei handgemalte Koffer in den Farben grün, gelb und weiß abgebildet, die man als Vorlage für den Elternsprechtag nutzen kann.

In den Koffern werden Notizen zu den einzelnen Kindern festgehalten: vorhandene Kompetenzen, vorhandene „Baustellen“ und vereinbarte Schritte. (Foto: Sophie)

Dieses Bild eines Koffers drucke ich in drei verschiedenen Farben aus, z. B. grün, gelb und weiß. In die gelben Koffer schreibe ich auf, über welche Stärken das Kind bereits verfügt und was schon prima funktioniert. All das positive, wovon ich eben sprach, kann hier in einem (oder mehreren) Koffer Platz finden. In die grünen Koffer schreibe ich, woran wir nun gemeinsam arbeiten müssen. Wichtig ist hier, sich nicht zu viele „Baustellen“ aufzuschreiben, sondern sich auf zwei oder drei zu beschränken. So werden die Ziele für alle übersichtlicher und vor allen Dingen auch machbar. Schön ist es, hier einen Blanko-Koffer dabei zu haben. Denn manchmal sehen Eltern selber eine weitere Baustelle, die sie ansprechen. Das kann man dann aufschreiben und ergänzen. In die „weißen Koffer“ schreiben wir auf, wie wir diese Ziele aus dem grünen Koffer erreichen. Wird mehr häusliche Unterstützung benötigt? Wird eine außerschulische Institution zu Rate gezogen? Ist eine Untersuchung notwendig? All diese Schritte schreiben wir (die Eltern und ich) wie eine „To-Do-Liste“ für uns beide auf, um den Überblick nicht zu verlieren. Auf diese Art nehmen Eltern aus dem Gespräch vieles mit und können auch immer wieder einen Blick darauf werfen. Denn meist ist solch ein Gespräch so kurz und dennoch so informationsreich, dass man am Ende das Gefühl hat, alles wieder vergessen zu haben. Auf diese Weise verfliegen die Informationen nicht, sondern sind handfest.

Beim nächsten Elternsprechtag kann dann auf die Liste zurückgegriffen werden. Welche Ziele wurden erreicht und welche Erkenntnisse haben wir daraus gewonnen?

Die Alternative: Das Protokoll

Eine Alternative oder Ergänzung zu der Koffer-Methode ist das klassische Gesprächsprotokoll. Hier tauchen dieselben Informationen auf. Über welche Kompetenzen verfügt das Kind bereits? Woran muss es noch arbeiten? Wie kann sich das Kind weiterentwickeln?

Ich finde es wichtig, für sich und für den Gesprächspartner über das Gesprochene Notizen zu machen, um es zu festzuhalten. Dies ist förderlich für die Weiterarbeit und der perfekte Einstieg in das nächste Gespräch.

Falls ihr euch mal mit Klagen von Eltern auseinandersetzen müsst, findet ihr in diesem Zeitschriftenbeitrag Anregungen zum Umgang mit solchen Situationen:


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