Gefühlsbarometer

Wie fühle ich mich heute? Und wie geht es dir?
In der (Grund)schule geht es nicht nur um Wissenserwerb, sondern auch um die Persönlichkeitsentwicklung. Dazu gehört unter anderem, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu reflektieren, sowie Gefühle anderer zu erkennen, damit umzugehen und sie zu akzeptieren. 

Um die Gefühle und Stimmungen auszudrücken, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Im Sitzkreis werden zum Beispiel manchmal Gefühle mit Muggelsteinen oder Symbolen gelegt/gezeigt.

Gefühle sind wichtig!

Positive Gefühle können das Lernen erleichtern, negative Gefühle behindern oder verhindern das Lernen. Dies wissen wir alle. Wie kann ich von einem Kind, dem es heute schlecht geht, das vielleicht Angst hat oder traurig ist, erwarten, sich sinnvoll mit der Verdopplung von Mitlauten auseinanderzusetzen? Natürlich kann ich ein trauriges Kind nicht einfach fröhlich machen. Aber ich kann zumindest versuchen auf das Kind zuzugehen und Ansprechbarkeit signalisieren. Wenn ich von Problemen weiß, kann ich auch Rücksicht nehmen.

Als ich meine erste eigene Klasse übernahm, suchte ich deshalb nach einer Möglichkeit, um die Stimmung der Kinder ohne großen Aufwand jeden Tag erfassen zu können (sofern die Kinder das wollen). Die Idee für mein Gefühlsbarometer entstand. Mangels passender Vorlagen bastelte ich einfach selbst.

Unser Gefühlsbarometer

Das Gefühlsbarometer zeigt verschiedene Karten mit Stimmungslagen. Die Kinder haben Klammern an die Stimmungen gehängt, um so ihre Gefühlslage auszudrücken.

Mit dem Gefühlsbarometer haben die Kinder die Möglichkeit, ihre Stimmung anzuzeigen. (Foto: Verena)

Das Gefühlsbarometer funktioniert ganz simpel: verschiedene Gefühle sind durch Bild- und Wortkarten dargestellt. Jedes Kind hat eine Wäscheklammer mit Namen und selbstgewähltem Tiersymbol. Auch ich habe eine Klammer.

Ihre aktuelle Gefühlslage können die Schülerinnen und Schüler anzeigen, indem sie ihre Klammer an das entsprechende Symbol klammern. Dabei gibt es zwei wichtige Regeln:

1) Die Wäscheklammer an ein Gefühlskärtchen zu klammern ist freiwillig. Niemand muss seine Gefühle preisgeben. Wer das nicht möchte, hängt die Klammer einfach oben an das Schild („So fühle ich mich heute“).

2. Nur die eigene Wäscheklammer darf benutzt werden. Aus Spaß (oder anderen Gründen) die Klammer eines Mitschülers umzuhängen ist streng verboten!

Manche Kinder nutzen das Gefühlsbarometer sehr regelmäßig und heften fast jeden Morgen ihre Klammer um (manchmal auch während des Schultages). Andere Kinder nutzen es selten. Beides ist völlig in Ordnung.

Diese Vorteile bietet das Gefühlsbarometer:

  • Lehrer und Schüler können auf den ersten Blick die Stimmungslage der Klasse überblicken.
  • Ich kann Kinder, die augenscheinlich mit negativen Gefühlen in die Schule gekommen sind beobachten oder gezielt auf sie zugehen und sehen, ob sie über etwas reden möchten. Auch Kinder untereinander können über ihre Gefühle ins Gespräch kommen und sich eventuell gegenseitig unterstützen. Dass ich mich nicht auf diese Kinder „stürze“ und sie ausquetsche versteht sich von selbst. Kinder, die mit ihrer Klammer negative Gefühle anzeigen, möchten erfahrungsgemäß aber oft auch darüber sprechen.
  • Lehrer und Schüler können sich mit positiv gestimmten Kindern gemeinsam freuen.
  • Da auch ich eine Klammer habe, werde ich als Lehrerin für die Kinder authentischer und menschlicher.

Zum Thema Gefühle wollen wir euch und eure Schulkinder unterstützen: Mit einem Themenheft der Zeitschrift Grundschule und mit Gefühle-Piktogrammen, die der Beschreibung von Empfindungen dienen:


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