Meine DaZ-Sprachförderklasse (5): Chunking – Was Musik mit DaZ zu tun hat!

Ohrwürmer eines bestimmten Liedes können im Alltag lästige Begleiter sein. Man hat ein Lied, manchmal sogar nur eine Zeile eines Liedes im Kopf und wird es einfach nicht mehr los. Das ist das Wundervolle an der Kombination aus Sprache und Musik: Sie können Ohrwürmer werden. Nicht den Aspekt „nervig“, sondern den Aspekt „dauerhaften“ nutzen wir auch in der Sprachförderung. Sätze oder Satzbrocken, sogenannte „Chunks“ werden spielerisch gelernt und immer wieder wiederholt bis sie Ohrwürmer sind und dann vom Lernenden auch spielerisch variiert werden können. Das kann man im Zusammenhang mit Musik machen, muss es aber nicht.

Chunks spielerisch mit Kindern lernen…

Chunks geben den Kindern Sicherheit im Alltag und bringen schnelle Erfolge hervor, so wie es beim generativen Schreiben im schriftlichen Sprachgebrauch auch gemacht wird. Einen Chunk kann ich festlegen und einführen oder (wie ich es gerne mache) aus dem Sprachalltag der Kinder nehmen. Meine Kinder sagen in der Hausaufgabenbetreuung häufig solche Sätze wie „Der hat mich ganze Zeit abgelenkt.“ Und vergessen dabei das kleine Wörtchen „die“. Auch mein andauerndes corrective Feedback „Oh er hat dich DIE ganze Zeit abgelenkt?…“ half irgendwann nicht mehr weiter und das „ganze Zeit“-Ding hat sich gerade ziemlich etabliert. Jetzt wurde es höchste Zeit, dass ich mal eine Sprachrunde draus mache und diesen Chunk mal richtig einführe. Außerdem hatte ich dann gleich einen tagesaktuellen Anlass zu diesem Artikel. Wie brav meine Schüler doch immer wieder fleißig Material liefern.😉

… zum Beispiel mit der Winkekatze

Ich komme in die Sprachförderklasse und bringe den Chunk „Ich winke die ganze Zeit“. Dazu setze ich mich zu den Kindern in den Kreis und winke einfach stumpf. Während ich mir schon vorkomme wie eine Katze im China-Laden fangen meinen Kiddies an zu lachen. Kurze Zeit später lache ich und sage „Was mache ich denn?“ und die Kinder kennen es schon von der Pantomime und antworten „Du winkst!“. Ich winke einfach weiter und nach einiger Zeit sagt einer „Du winkst ganze Zeit“. Genau!

„Ich winke DIE ganze Zeit“ sage ich und frage „Kannst Du auch die ganze Zeit winken?“ und betone das DIE wieder ein wenig mehr als den Rest. Die Kinder machen mir die China-Katze nach und wissen schon was jetzt kommt: Jeder sagt den Satz einmal laut. „Ich winke die ganze Zeit“ laut und deutlich. Wir hören den Satz von jedem Kind, also ungefähr 15-20-mal pro Runde. Wir flüstern ihn, wir rufen ihn, wir tanzen ihn und vor allem: Wir winken die ganze Zeit.

„Ich winke die ganze Zeit“ – Chunks lassen sich spielerisch in den Unterricht einbinden (Foto: Wikipedia).

Wichtig ist dabei, dass die Kinder ihn richtig aussprechen. Hier werden keine Lauta geschlabbert und Sprechfehler werden sofort korrigiert. Es darf auch albern werden! Die Kinder tauschen das Verb aus, jeder macht einen Vorschlag. Der Chunk bleibt, aber der Sinn wird verändert. „Ich lache die ganze Zeit“, „Ich tanze die ganze Zeit“, „Ich rede die ganze Zeit“ und sogar „Ich pupse die ganze Zeit!“ lasse ich gelten. Hauptsache der Satz ist richtig und der Chunk stimmt.

Die Wiederholung macht’s

Danach wechseln wir in ein Pantomime-Spiel. Die Kinder gehen in Kleingruppen zusammen. Ein Kind spielt etwas vor und die macht die Bewegung immer und immer wieder und die anderen müssen es im Chunk-Satz erraten. „Du läufst die ganze Zeit?“ „Du hustest die ganze Zeit!“…

Auf diese Weise lassen sich durch viele Wiederholungen ganze Sätze einschleifen und Satzstrukturen vertiefend besprechen, die den Kindern sonst schwerfallen, oder schnell falsch eingeprägt werden. Wie bei Ohrwürmern bleiben den Kindern manche Sätze und Strukturen fest im Gedächtnis, sodass sie sie auch richtig in den Alltag aufnehmen und sogar im Schriftlichen umsetzen.

Sprachrunden kann man übrigens auch in Regelklassen schnell mal an den Montagmorgenkreis anschließen und auch für Höflichkeitsfloskeln verwenden, wenn das Wörtchen „Bitte“ mal wieder aus dem Sprachgebrauch verschwindet.😉

Chunks lassen sich auch bei Schreibaufgaben im Anfangsunterricht einsetzen. Wie das geht, erfahrt ihr in dem folgenden Beitrag aus der Zeitschrift Deutsch differenziert:


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